Die Symbolik in dem Gedicht Israels Rätsel

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Anmerkungen

zum Gedicht "Rätsel Israels":

Die "finstere Nacht", um die es hier geht, ist die Reichspogromnacht, von den Nazis euphemistisch "Reichskristallnacht" genannt, so als sei es lediglich um ein paar zerbrochene Fensterscheiben oder Kristall-Lüster gegangen. Tatsächlich wurden viele jüdische Mitbürger angegriffen und gefangengenommen. Es war der "Auftakt" zur Deportation der Juden in die Konzentrationslager. Ziel war die völlige Ausrottung des europäischen Judentums, der Menschen, der Kultur, der Religion mit ihrem kompromisslosen Glauben an den Einen, Unsichtbaren, Ewigen. Die Nazis hatten die jüdische Religion im Detail studiert und herausgefunden, dass ein jüdisches Begräbnis die (vollständige) Bestattung des Leichnams verlangt. Durch die Verbrennung der Toten in den Krematorien und das Verstreuen der Asche in den Wind sollte die jüdische Seele getötet werden...so dass niemals wieder eventuell Überlebende der Verfolgungen ihre Kultur würden neu praktizieren können. Tatsächlich haben viele Juden wegen des Holocaust ihren Glauben verloren, trotz der vielen religiös motivierten Deutungsversuche der Shoah, wie Juden auf hebräisch den Holocaust nennen.

zum Gedicht "Lied der Nacht":

Die Inspiration zu dem "Lied der Nacht" verdankt sich Dr. Hannelore Sieber aus Halberstadt, die in Karlsruhe und Halberstadt lebte.

(geboren am 22.05.1936 in Halberstadt, als Sportschwimmerin Mitglied der Nationalmannschaftdr DDR, bei der Gelegenheit eines internationalen Schwimmwettkampfes im Westen geblieben,Studium der Medizin im Westen, Tätigkeit als Chirurgin, Ausbildung zur Kosmetischen Chirurgin in Edinburgh, tätig als Chirurgin in Athen, Karlsruhe, gestorben am 25.08. 2015 in Halberstadt)

Sie erzählte Benjamin Zauberspiegel von ihrem Besuch in der Kindergedenkstätte von Yad Vashem

Das "Childrens' Memorial" ist eine unterirdische Höhle unter Felsen. Im Hauptraum sind 3 Kerzen, die in der Finsternis tausendfach gespiegelt werden, so dass man meint, in einen unendlichen Sternenhimmel zu schauen. Dazu hört man die Namen der getöteten Kinder, ihr Alter und ihre Herkunftsländer:

Das endlos laufende Tonband braucht 3 Monate, um die bis heute bekannten Namen der ca. 1,5 Millionen Kinder wiederzugeben .

Auch wenn es sehr gute Internet-Dokumentationen gibt über Yad Vashem - können sie nicht vermitteln, in welche Tiefen menschlichen Leids sich der Besucher begibt.

Nach dem Gang durch die Gedenkstätte für die ermordeten Kinder... war für Dr. Hannelore Sieber der Besuch von Yad Vashem zu Ende - ... sie musste sich setzen, sie konnte nicht mehr. Sie dachte nur noch an den Sternenhimmel und an das Baby, das nicht leben durfte... Eine Museumswärterin kam zu ihr und wollte sie animieren, sich doch ihrer Gruppe wieder anzuschließen, die ohne sie und ihre Freundin ihren Rundgang fortsetzte. Als nächstes hätte man sich die Folterinstrumente und Brennöfen anschauen müssen, und Dr. Hannelore Sieber erklärte ihr: "Ich habe viel Schlimmes sehen müssen in meinem Beruf als Chirurgin, ich musste mich absolut konzentrieren können und alle Gefühle ausblenden, um schrecklich entstellte Unfallopfer wieder zusammenzuflicken. Aber das hier kann ich nicht ertragen, ich weine nur noch über das eine Baby, obwohl es 1,5 Millionen Kinder waren, die von den Nazis ermordet wurden, und 6 Millionen Juden insgesamt.

Das Bild der "Krone":

a) die "corona" der Sonne, die nur bei einer totalen Sonnenfinsternis zu sehen ist.

b) Die Krone als Symbol eines absoluten Herrschers.

c) "keter Thora" - die Krone, mit der die Thorarollen geschmückt werden: Hinweis auf das Königtum Gottes.

Da die Juden auf der ganzen Welt verfolgt und gehasst wurden, unabhängig davon, ob einzelne ihre Religion praktizierten oder nicht, scheint der Grund nicht die Religion sein - und ist es in gewisser Weise doch:
Jüdische Geisteskultur besitzt einen Maßstab, der auch Kaiser und Könige der Kritik unterwirft. Es ist ein Maßstab, dessen Perspektive der "Blick von oben" ist, hin über alles, frei wie ein Vogel. Diese geistige Freiheit ist es, die allen totalitären Herrschern und Systemen suspekt sein musste. Im Sinne der Logik derjenigen, die um ihre Macht fürchteten, waren Verfolgung, Verleumdung, Enteignung, Berufsverbote sozusagen die "logische Konsequenz" - bis hin zum Versuch, die Juden auszurotten, wie man Schädlinge ausrottet.

Im Kampf um Freiheit und Demokratie konzentrierte der Hass sich häufig auf "Freimaurer und Juden", die in einem Atemzug genannt wurden: Man unterstellte ihnen, keine höheren Prinzipien und keine Ordnung anzuerkennen.

d) Die Krone als Symbol der alleinigen Herrschaft kennzeichnet auch die Symbolfigur der "Ecclesia", die (heute immer noch) die Fassade so mancher gotischer Kathedrale schmückt, zusammen mit der Figur der "Synagoge", die vor aller Augen gebrandmarkt wird als "blind" (mit Augenbinde), als "schuldig"; (mit gesenktem Kopf), weshalb ihre Macht und Autorität verloren seien (Gesetzestafeln bzw. Torahrolle entgleiten ihr). Die Lanze der "Synagoge" ist zerbrochen, während die "Ecclesia" sich als stolze Besitzerin von Kelch und Krone präsentiert.

Kein Künstler würde heute mehr so etwas ausdrücken wollen, kein Auftraggeber würde es wagen, so etwas formulieren zu lassen, - weder in Stein noch in sonst einem Medium. Und weil es so peinlich ist, trotz allem immer noch an die eigene Überlegenheit zu glauben und solche Figuren nicht ins Museum zu entfernen, ist die Figur der "Synagoge" bei Wikipedia nicht unter dem zu erwartenden Stichwort zu finden, sondern unter der kuriosen Abwandlung "Synagoga" - wie sie in der deutschen Kunstgeschichte nie genannt wurde.

Das Entsetzen über den Holocaust, die Verantwortung der geistigen Urheberschaft, die man nie mehr wieder wird von sich weisen können, haben Scharen von Theologen dazu gebracht, sich über das Rätsel des Holocaust zu beugen. Man wird den Holocaust nie erklären können, genauso wie die Theodizee -Frage niemals gelöst werden kann. Aber das Nachdenken zu verweigern angesichts dessen, was geschehen ist, wäre ebenfalls Zeichen von größter Eiseskälte - ... eventuell derselben, die den Holocaust erst möglich machte.

Das Bild der "Nacht"

Leser, die gebildet sind durch den Kontext der christlichen Kultur, werden "Nacht" und "Finsternis" sofort mit dem (christlichen) Teufel identifizieren, dem Gegenspieler des Guten, der ebenso mächtig wie Gott erscheint, eventuell sogar mächtiger. Die Symbolik des "Liedes der Nacht" entwickelt andere Zusammenhänge, die der jüdischen Auffassung von "Satan" näher stehen: die "Finsternis", die dem "Licht", wie sich am Ende herausstellt, dienen muss... Es ist klar, dass solche "Zusammenhänge" nur der Dichter entwickeln darf, der in seinen Glaubenszweifeln nach einer Lösung sucht, die die "Untätigkeit" des Ewigen erklären könnte angesichts des Holocaust.

Copyright VG Wort 2013 - Benjamin Zauberspiegel

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